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Fortbildung für Demenzbegleitkräfte: Gewalt in der Pflege

Bad Hersfeld

Aggressives Verhalten von an Demenz erkrankte Menschen sind keine Seltenheit. Doch wie soll ich, als Fachkraft, damit umgehen? Mit diesem wichtigen Thema beschäftigte sich die Fortbildung „Gewalt in der Pflege“ an den Ludwig Fresenius Schulen in Bad Hersfeld. Bedingt durch die große Nachfrage fand die Fortbildung bereits zum wiederholten Mal statt. Die Dozentin Erika Christ berichtet selbst:

Warum schlägt Herr M. nach mir, obwohl ich ihn freundlich begrüßt habe?
Weshalb schreit Frau S laut, wenn ich ihr das Essen anreichen will?
Was veranlasst die 85jährige Ehefrau ihren an Demenz erkrankten Ehemann mit einem Bademantelgürtel am Stuhl festzubinden?

Die Teilnehmerinnen schilderten eigene Gewalterfahrungen im Umgang mit an Demenz erkrankten Menschen und konkrete Fallbeispiele zeigten die Vielschichtigkeit der Gewaltformen und möglichen Ursachen. Anhand einer Fallkonferenz wurden Lösungsmöglichkeiten erarbeitet.

Wie fühlt es sich an fixiert zu werden?
Eine praktische Übung diente hier zur Selbsterfahrung. „Ich glaube ich würde dann auch nur noch spucken und treten. Die letzte Möglichkeit der Selbstbefreiung!“

Einsamkeit, soziale Isolation, körperliche Beschwerden, geistiger Abbau erschweren die eigene Selbstgestaltungsmöglichkeit des Lebens. Der Tod eines geliebten Menschen, zunehmende Verschlechterung des Allgemeinbefindens, Pflegebedürftigkeit, Verlassen des gewohnten Umfeldes, wo man vielleicht mehr als 40 Jahre gemeinsam mit der Familie gelebt hat, Heimeinzug und nicht zuletzt die ausweglose Situation, den Tod vor den Augen zu haben, stellt für alte Menschen eine ausweglose Sackgasse da.

Verhaltensveränderungen und Verhaltensauffälligkeiten sind reaktive Folgen und Pflege- und Betreuungskräfte sind gefordert, konkret hinzuschauen, welche schwierige Lebenskrise ursächlich sein kann für das entsprechende Verhalten.

Aber auch die eigenen Verhaltensweisen müssen reflektiert werden: Habe ich im Gespräch mit dem an Demenz erkrankten Bewohner Blickkontakt gehalten?  Sind die Handlungsschritte von mir langsam und verständlich angekündigt worden? Oder habe ich zu viele Informationen auf einmal gegeben und der Bewohner konnte sie gar nicht aufnehmen? Hat der Bewohner eventuell starke Schmerzen, wenn ich ihn berühre?

Empathie – Validation – Kongruenz – sind hierbei die Schlüsselworte      
Ferner erörterte Rechtsanwalt Timo Küllmer Rechtsfragen zum Bereich „Fixierungen". Thematisiert wurde auch: „eigene Grenzen erkennen und setzen“, für sich zu sorgen, Kraft zu tanken. Im Anschluss an die Meditation zündeten alle Teilnehmerinnen Kerzen an und reichten diese symbolisch zur gegenseitigen Kraftschenkung weiter.

Kursleiterin Erika Christ dankte allen Teilnehmerinnen für die aktive Beteiligung und betonte, dass es ein wesentlicher Verdienst der wertvollen Aktivierungsarbeit der Demenzbegleitkräfte sei, dass ein sinnerfülltes Leben – ohne Fesseln – auch im höheren Alter möglich ist.

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