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Von Syrien nach Deutschland zum Traumberuf: Geflüchtete macht PTA-Ausbildung

Porträts + Interviews

Schon immer wollte Sandy in der Pharmazie arbeiten. Dann kam 2015 die Flucht nach Deutschland. Trotzdem hielt die 23-jährige Syrerin an ihrem Wunsch fest und machte die Ausbildung zur Pharmazeutisch-technischen Assistentin. Im Interview erzählt sie, wie sie die Herausforderungen auf dem Weg zu ihrem Traumberuf gemeistert hat.

Wie bist du dazu gekommen, die Ausbildung zur Pharmazeutisch-technischen Assistentin (PTA) zu machen?

Ich wollte immer Pharmazie studieren. Ich habe mich auch für einen Studienplatz beworben, aber leider gab es für Ausländer zu wenige Plätze. Einen Studienplatz hätte ich in Berlin annehmen können, aber ich wollte nicht allein dorthin ziehen. Dann kam ich auf die Idee, erst die PTA-Ausbildung zu machen. Ich habe im Dezember 2016 schon ein freiwilliges Praktikum in einer Apotheke gemacht und habe so den Beruf kennenlernen können. Im September 2018 habe ich dann die Ausbildung zur Pharmazeutisch-technischen Assistentin an den Ludwig Fresenius Schulen in Frankfurt begonnen.

Was gefällt dir besonders gut an dem Beruf?

Der Gedanke, dass man in einer Apotheke vollständige und hilfreiche Informationen und Beratung erhält, hat mich immer schon motiviert. Es ist so traumhaft, wenn ich mir vorstelle, dass ich als PTA zur Gesundheit von Menschen beitragen kann, ihnen helfe, ihre Schmerzen zu lindern und Erkrankungen zu heilen. Mein Vater hat Chemie studiert und in einem Pharmaunternehmen gearbeitet. Ich weiß noch, als ich klein war, haben Familie, Freunde und Bekannte meinen Vater immer um Rat gefragt bezüglich der Medikation oder eben Behandlungsmöglichkeiten. Genau das wollte ich auch immer wissen und machen!

Was waren die größten Herausforderungen bei deiner Ankunft in Deutschland und später in deiner Ausbildung?

Die Sprache zu lernen, das war das Schwerste. Ich konnte gar kein Wort auf Deutsch sagen. Direkt bei meiner Ankunft in Deutschland habe ich am Academic Welcome Program (AWP) von der Goethe Universität teilgenommen. Da habe ich etwa ein Jahr lang Deutschkurse und Prüfungen gemacht – vom Sprachlevel A1 bis hin zu DSH (Deutsche Sprachprüfung für den Hochschulzugang). Danach hatte ich sogar die Möglichkeit, medizinische Kurse und Pharmazie-Vorlesungen zu besuchen. Zu Beginn der PTA-Ausbildung hatte ich zum Teil noch Probleme mit den Fachbegriffen, sodass ich diese übersetzen musste. Aber mit der Zeit wurde es besser und jetzt ist alles top.

Wie hast du das alles gemeistert?

Mit Fleiß und Mut schafft man alles. Ich habe mein Ziel und meinen Traum immer vor Augen gehabt. Das hat mich einfach dazu motiviert, trotz allen Schwierigkeiten immer weiter zu machen. Außerdem stand meine Familie immer hinter mir, hat mich unterstützt und mir geholfen. Finanzielle Unterstützung habe ich sowohl von der Lucy Weinert Stiftung als auch vom Verein HELFEN. HILFT. PUNKT! bekommen. Damit konnte ich das Schulgeld bezahlen. Ohne diese Unterstützung hätte ich die Ausbildung nicht machen können. Besonders danken möchte ich auch Kristine Nadler, die Mitglied in der Lucy Weinert Stiftung ist. Ich kenne sie schon sehr lange und sie hat mir schon in Trebur von Anfang an geholfen und die anderen davon überzeugt, mich zu fördern. 

Gibt es einen Moment in der Ausbildung, der dir in besonderer Erinnerung geblieben ist?

Ja, klar! Besonders war für mich das erste Mal im Galeniklabor, als wir angefangen haben, Kapseln herzustellen. In diesem Moment sagte ich mir: „Los geht’s!“

Welche Unterschiede stellst du zwischen deutschen und syrischen Apotheken fest?

In Syrien haben die meisten Apotheken kein Labor, fast alles wird industriell hergestellt. Klar gibt es ärztliche Rezepte, aber man bekommt alles auch ohne. Dort ist ein Apotheker wie ein Arzt.

Was machst du gerade und was sind deine Pläne für die Zukunft?

Jetzt stehe ich am Ende meiner Ausbildung und mache gerade das halbjährige Apothekenpraktikum. Ich arbeite in zwei Apotheken und kümmere mich hier zum Beispiel um die Sendungen, Rezepturen, Defekturen, den Verkauf und die Beratung. Ich möchte auf jeden Fall noch Pharmazie studieren. Später vielleicht sogar eine eigene Apotheke führen.

Danke für das Interview, liebe Sandy! Wir wünschen dir für deine Zukunft alles Gute!

Kristina Irion

Kristina Irion

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